
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
Es war keine gute Nachricht, die die Ingenieure nach ihrer letzten Sonderprüfung im Dezember 2024 für die Stadtverantwortlichen bereithielten: Der Zustand der Brücke, die über die Hannoversche Straße führt und den Ortsteil Marbach anbindet, hatte sich deutlich verschlechtert. Gebaut im Jahr 1979, gehört sie zu jenen, die unter der Gefahr von Spannungsrisskorrosion leiden.
Das Schadensbild ließ vermuten, dass Spanngliedschäden vorliegen, die Brücke wurde daher im Dezember vorsorglich in ihrer Nutzung eingeschränkt. Gleichzeitig hatte das Tiefbau- und Verkehrsamt ein auf Bauwerksdiagnostik spezialisiertes Ingenieurbüro mit weiteren Untersuchungen beauftragt. Diese fanden Anfang März statt.
Ein Drei-Mann-Team der Firma MKP GmbH aus Weimar hat eine Woche lang die Brücke nach einem vorher akribisch ausgearbeiteten Konzept untersucht. Dabei wurden an explizit ausgesuchten Bereichen der Brücke die Spanndrähte freigelegt, Proben des Betons entnommen, einzelne Spanndrähte ausgebaut und ergänzende Erkundungen durchgeführt. Aktuell laufen weitere Untersuchungen im Labor. „Wir rechnen vor Ostern mit einem Prüfergebnis. Danach können wir sagen, wie gefährlich die Risse in den Betonteilen sind und was das für den Fortbestand der Brücke bedeutet“, so der Leiter des Erfurter Tiefbau- und Verkehrsamtes Alexander Reintjes.
Die Szenarien stehen derweil bereits fest: „Entweder lässt es der Zustand der Brücke zu, dass wir sie weiter wie jetzt eingeschränkt nutzen können, bis der Ersatzneubau kommt. Oder er ist so schlecht, dass wir sie sofort abreißen müssen“, erklärt Reintjes. Dass die Brücke erneuert werden muss, stand seit längerem fest. 2028 sollte es losgehen. Jetzt müssen die Planungen forciert werden. Ziel ist, 2026 mit dem Ersatzneubau zu beginnen.
Sollte die sofortige Schließung unausweichlich sein, folgt auch umgehend der Abriss. Für den Verkehr sind damit besondere Herausforderungen verbunden. Während der Bau einer Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer zu den Planungen dazugehört, werden Feuerwehr, Bus und Fahrzeugverkehr andere Wege nutzen müssen. „Aktuell bauen wir die heutige Havarieausfahrt der Feuerwehr um, sodass diese schnellstmöglich für alle Rettungsdienste, die in Marbach stationiert sind, und für den ÖPNV in alle Richtungen genutzt werden kann“, erläutert Reintjes. Damit verbunden sind allerdings dauerhafte Einschränkungen auf der Hannoverschen Straße, da hier dann nur noch jeweils eine Spur je Fahrtrichtung verbleibt, bis die neue Brücke steht. Bis dahin ist Marbach für den Individualverkehr sodann nur noch über die Bodenfeldallee angebunden.